Jan 272013
 

A Memory Of Light

Genre: Epic Fantasy
Sprecher: Michael Kramer und Kate Reading
Spieldauer: 41 Std. 55 Min. (ungekürzt)
Meine Wertung: 5/5
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Hörprobe

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Das Ende (eines Meisterwerks)

Achtung, der folgende Text enthält SPOILER! Wer sich die Spannung erhalten möchte, sollte diese Seite lieber verlassen!

So, das war’s also jetzt. 20 Jahre, 14 mal 40 Stunden Hörerlebnis, eine Geschichte die vermutlich für sehr lange als Maßstab für Epic Fantasy da stehen wird, ist jetzt zu Ende erzählt.. und lässt einen schalen Geschmack im Mund.

“AMoL” ist ein einzigartiges Buch, gerade in dieser Serie. Kein Band hat soviel Action wie dieser. Hier gibt es Frontberichterstattung von Tarmon Gai’don, The Last Battle, quasi in Echtzeit. Haupt- und Nebencharaktere auf beiden Seiten sterben im Kampf wie die Fliegen. Man hat keine Zeit, das Ableben der Freunde, die sie in den letzten 20 Jahren geworden sind, zu betrauern oder zu verarbeiten, es wird ohne Atempause gekämpft, ein Crescendo der Gewalt. Am Ende wird man atemlos und emotional ausgepumpt zurückgelassen.

Ich bin mir nicht sicher, ob ein finales Buch aus Jordans Feder genauso ausgesehen hätte. Sanderson hat das gemacht, was er besonders gut kann, epochale Kampfszenen arrangieren, und das ist ihm ganz hervorragend gelungen. Die Verzweiflung im Kampf, die Unerbittlichkeit des Krieges, die ständige Suche nach dem Sinn dahinter, die Zweifel, all das kommt sehr gut rüber. Doch fehlen mir die ganz großen emotionalen Momente. Für meinen Geschmack ist Sanderson mit einigen der über Jahre aufgebauten Charaktere am Ende zu lieblos umgegangen. Der eine oder andere hatte eine viel komplexere Vorgeschichte, als sie jetzt final ausgespielt wurde. So mache Figur bekommt nicht mehr als ein unverhältnismäßiges “… und starb.”. Vielleicht muss es so sein um diese Atemlosigkeit, die Gehetztheit zu erzeugen, ich hätte mir jedoch eine etwas tiefere Charakterausleuchtung gewünscht. Das, was vorherige Bände zu wenig hatten, hat dieser Band zu viel, die Action. Und umgekehrt: Die detaillierten Charaktere der früheren Bände kommen allesamt zu kurz für mein Empfinden. Die aller meisten sind nicht mehr als Schachfiguren, die an ihre Position geschoben werden, dort kämpfen und sterben, mehr nicht.

Nicht missverstehen, es ist ein gigantisches Buch, definitiv ein würdiger Abschluss einer langen Geschichte ohne Beispiel, Dank an Sanderson dafür. Nur gingen vermutlich meine Erwartungen in eine andere Richtung. Ich habe all die Charaktere über die Jahre lieben gelernt. Nun zu wissen, dass es nie wieder etwas Neues über sie zu erfahren gibt, fühlt sich… komisch an. Vielleicht möchte ich einfach nicht loslassen, ich hätte einige noch gerne viel besser kennengelernt, viel mehr über sie erfahren, doch das wird nun nicht mehr passieren. Vielleicht bin ich einfach nur traurig, dass es vorbei ist.

Ganz besonderer Dank geht an Michael Kramer und Kate Reading. Die beiden haben die Serie mit ihrer Art zu lesen erst zum Leben erweckt. Michael Kramer’s unnachahmliche Fähigkeit mit Dialekten und Akzenten Charaktere zu erzeugen, hat über all die Bücher hinweg die Geschichte getragen und strukturiert. Genauso konnte Kate Reading mit ihrer emotionalen Art des Lesens den Frauen Leben einhauchen, ein kongeniales Duo und eine wunderbare Idee!

Nachtrag:

Einige Tage sind vergangen, der zweite Hördurchgang ist abgeschlossen. Erstaunlicherweise lässt die Intensität, mit der ich über das Buch nachdenke, nicht wirklich nach. Jedoch hat sich meine Einschätzung so sehr verändert, dass ich ein paar weitere korrigierende Worte hinzufügen muss.

Inzwischen bin ich – jahrelanger Fan der WoT – ziemlich böse mit Brandon Sanderson. Nein, ich bin mit seinem Ergebnis nicht zufrieden und ich bin mir sicher Robert Jordan wäre es auch nicht. Die Art, wie Sanderson in diesem letzten Band mit den Geschichten der Hauptcharaktere umgegangen ist, ist nicht nur “lieblos”, es ist fahrlässig, untreu und vorsätzlich ignorant! Warum hat er das so gemacht? Plant er weitere Spin-Offs, um die Geschichten und Fragen aufzugreifen? Oder war er einfach zu faul, sich tief genug in die einzelnen persönlichen Geschichten einzulesen, um die offenen Fragen zu beenden und einen Abschluss herbeizuführen?

Ein paar Beispiele:

Moraine: warum wurde die Totgeglaubte wieder aus dem Hut gezaubert, um hier mehr oder weniger eine Statisten Rolle mit zwei/drei Sprechzeilen zu bekommen?

Nynaeve: Stummer Steigbügelhalter für Rand an der Seite der stummen Moraine. Dafür, dass die beiden tatsächlich die entscheidende Rolle neben Rand spielen, wird ihnen unverhältnismäßig wenig Detailschärfe eingeräumt.

Matt, Egwene und Elayne mutieren zu taktierenden, skrupellosen Heerführern ohne Geschichte. Wie können eine Handvoll 20-jährige Hunderttausende ohne ernsthaftes Reflektieren in den Tod schicken?

Min und Aviendha werden völlig aus dem Spiel genommen und bekommen für die Handlung komplett unwichtige Nebenschauplätze.

All diese Figuren, die in vorherigen Bänden Tausende Seiten für die Charakterentwicklung erhalten haben, bleiben in diesem Band farb- und gesichtslos, werden zu flachen Kampfmaschinen ohne Berührungspunkte zu ihrer eigenen Geschichte. Tatsächlich fühlt es sich so an, als seinen es andere Personen mit gleichen Namen…

Einzig Perrin und Faile haben wieder mal Hunderte Seiten, hier hat Sanderson in den letzten drei Bänden den Bogen massiv überspannt. Ich denke, wir hatten bereits in “Gathering Storm” die Natur ihrer Beziehung verstanden, oder?

Das sind nur Beispiele, die Kette lässt sich beliebig fortführen, ganz zu schweigen von den Gegenspielern, die mehr oder weniger lächerlich schwach dargestellt werden. Und “The Dark One”… naja… er musste halt auch noch vorkommen….

Nein, Mr.Sanderson, das war’s nicht. Ich meine, wir müssen froh sein, dass es – um es mit dem Buch zu sagen – überhaupt “EIN Ende” gab. Dass es nicht “DAS Ende” war, das sich viele von uns Fans herbeigesehnt hätten, steht auf einem anderen Blatt. Mit dem Tod von Robert Jordan schien alles vorbei, offenes Ende, viel Raum für die eigene Fantasie. Sanderson sprang ein und der erste Band gab wider Erwarten berechtigte Hoffnung, dass es doch noch eine befriedigende Auflösung geben würde. Im Rückblick muss man heute jedoch annehmen, dass Jordan bereits einen Großteil des Buches fertig hatte, bevor Sanderson seine Hand anlegte. Jeder weitere folgende Band war unbefriedigender als der zuvor. “AMoL” ist so weit vom Geist des “Wheel of Time” entfernt, wie eine trockene Scheibe Brot von einem Frühstücksbuffet, es gehört irgendwie dazu, die Idee dahinter ist aber nicht so wirklich erfasst. Und trotzdem kann sie in bestimmten Situationen durchaus lecker sein…

 

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